ÖV oder auch „Die Kunst Lücken zu füllen“

Letzte Woche waren wir ganz mutig. Des am Strand liegens überdrüssig, wollten wir auf eigene Faust nach Maumere gehen. Der Marktbesuch zählt ja nicht wirklich, da wir mit dem Einkäufer vom Hotel mitgehen konnten. Irgendwann nach dem Mittag sollte es losgehen. Mit dem Wichtigsten ausgestattet, gingen wir zur Hauptstrasse mit der Absicht ein Bemo (kleiner Bus) zu stoppen und mitzufahren. Zugegeben: etwas aufgeregt war ich schon. Am Strassenrand angekommen warteten wir mal ab was passieren würde. Jeder aber wirklich jeder Rollerfahrer, hier Ojeks genannt, hat angehalten um uns mitzunehmen. Wir winkten dankend ab, Geschichten über dramatische Unfälle im Hinterkopf. Nach zehn Minuten ist aber immer noch kein einziges Bemo durchgefahren. Hmmm, was machen wir nun? Der 100ste Rollerfahrer hat uns dann in Englisch angequatscht und nach einiger Zeit hat sich herausgestellt, dass um diese Zeit die Bemos selten in diese Richtung fahren. Dieser Typ hat mir irgendwie einen vertrauenswürdigen Eindruck gemacht und so habe ich mich überwunden und mich hinten auf seinen Roller geschwungen. Für Renato wurde schnurstracks ein zweites Ojek organisiert. Der Angstschweiss, welcher während der viertelstündigen Fahrt bei mir geflossen ist, lässt sich wohl nicht in Liter fassen. Da ich ihn gebeten habe, langsam zu fahren, wurden wir immer wieder hupend von grossen Lastwagen, schnellen Autos und anderen Ojeks überholt, was die Sache nicht wirklich besser machte. Lange Rede kurzer Sinn: wir sind zwar mit einer dicken Staubschicht überzogen (und ich etwas zittrig) dafür aber wohlbehalten beim Supermarkt angekommen. Kurz die Einkäufe erledigt und dann noch etwas die Stadt erkundigt. Geniessen konnte ich den Trip aber nicht wirklich, hatte ich doch immer die bevorstehende Rückfahrt im Kopf. Ojek? Auf keinen Fall würde ich mir noch einmal einen solchen „Höllentrip“ antun. Mit einem kurzen Zwischenstopp bei einem Stand mit pisang goreng (frittierte Bananen, in Gedanken sah ich mich schon hinter dem nächsten Baum, mit Krämpfen in den Eingeweiden und keinem Papier weit und breit) liefen wir zur Hauptstrasse, wo uns tatsächlich keine fünf Minuten später ein Bemo aufgabelte. Nach längerer Diskussion hat sich dann herausgestellt, dass dieses nur zum nahen „Bemo-Bahnhof“ fuhr und wir dort wechseln müssen (und dafür haben wir 1 Franken bezahlt! Wucher!).  Dort hiess es „schnell, schnell, dies ist euer Bemo“ und schon wurde für uns Platz gemacht. Was heisst denn schon Platz. Man muss sich das so vorstellen. Das Bemo ist ein kleiner Bus mit einer Sitzbank auf jeder Seite und einer Höhe von ca. 1.60m. Auf meiner Seite sassen schon vier Leute und auf Renatos fünf. Wo bitte sollten wir sitzen? Ich habe dann ca. 10 cm auf meiner Seite gekriegt und Renato schwört, dass sein Platz nicht grösser als ein Fünfliber war. Aufrichten war unmöglich (womit wir wieder beim Thema „Grössenunterschied“ wären). Drei Leue sind aus der seitlichen (nicht vorhandenen Tür) gehangen und haben sich am Dach und eine Passagier hinten am Wagen festgehalten. Musik dröhnte aus den riesigen Lautsprechern und zwischendurch haben wir angehalten und der Geldeintreiber hat für Passagiere irgendwelche Einkäufe erledigt. „Kirikiri“ rufen und schon hält der Wagen vor unserem Hotel an. Wir kamen entgegen aller Erwartungen wohlbehalten wieder im Hotel an und trotz aller Widrigkeiten ist mir diese Art des Transports tausendmal lieber als hinten auf einem Ojek zu sitzen.

(Nachtrag: Auch eine weitere Bemofahrt haben wir überstanden aber wer mich kennt, weiss, dass mein schlimmster Alptraum wahr geworden ist. Ich sage nur: beachtet das Bild unten. Zum Glück konnte ich mit Renato Platz tauschen, es war schon so schlimm genug.)

Alptraumbemo

Bemo

3 Kommentare

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3 Antworten zu “ÖV oder auch „Die Kunst Lücken zu füllen“

  1. Esther

    Vielen Dank für die tollen Beiträge und Bilder! Es ist vergnüglich Euch auf Eurer Reise von hier aus zu begleiten 🙂
    Grüessli
    Esther

  2. Marisa

    Ha! Andle neben einem Güggel! Dini Komischi abneigig chani zwar nid verstah, aber isch ja e luschtige zuefau dass drs gad so breicht heit…
    Muntsch!

    • Ig ha’s chum chönne gloube.. U mit derä Begägnig isch es ja no nid do. Die doofe Tier si würklech überau! Cha’s säuber o nid ganz vürstoh, si gruuse mi eifach ungloublech. Überchume aube grad Hüehnerhut ;-).

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